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  • Masha

Reflektion zu Term 1

Heyho!

Angesichts der Tatsache, dass ich vor kurzem meine erste Reflektion [die diesem Eintrag fast identisch ist😅] an mein National Committee einreichen musste, und dass ich viel Zeit hatte in den letzten Wochen, ĂŒber meine Erfahrungen nachzudenken, habe ich mich entschieden, einen generellen Erfahrungsbericht-Post zu schreiben, um ein volleres Bild vermitteln zu können!

Zu meiner Reflektion werde ich wahrscheinlich hauptsĂ€chlich Probleme (und ein paar ganz ganz coole Sache die sich vom UWC “Alltag” abheben) ansprechen, weswegen ich nur kurz gesagt haben möchte, dass ich alles in allem grad die Zeit meines Lebens habe und unglaublich glĂŒcklich und meinem NC irre dankbar bin fĂŒr die Möglichkeit zu dieser krassen Erfahrung!


So, nun von Anfang an: der Flug nach HK, der hat zwar nichts mit UWC zu tun, aber es war doch ne persönlich-wichtige Erfahrung, weil es das erste Mal fĂŒr mich war - und dann gleich 12 Stunden! Zwar habe ich jetzt erst recht Flugangst, aber wahrscheinlich bewahrt mich das auch vor unnötigen FlĂŒgen, was sich in Angesicht der Klimakrise als korrekte Sache erweisen sollte...


Die ersten paar Wochen in Hong Kong waren einfach nur schrecklich aufregend: Kulturschock ĂŒber Kulturschock, Hongkong erkunden, Wolkenkratzer besteigen, neue Schwimmtechniken, von LĂ€ndern, die ich nicht mal aussprechen kann, hören; erste Projektwoche, schimpfen auf Mandarin, Spanisch und Nepali lernen, FREIHEIT!

Danach aber hat sich alles ziemlich schnell beruhigt, IB hat angefangen (pure Qual...) und Freundesgruppen haben sich noch eine Trilliarde Mal geĂ€ndert. Innerhalb der ersten paar Tagen fand ich es noch lustig, wie unglaublich direkt und mit welcher (in meinen deutsch-kulturell geprĂ€gten Augen) Unmanier Leute hier in Hongkong auftreten können, aber schnell fand ich’s einfach nur disrespektvoll und nervig wenn Leute uns Internationals stĂ€ndig anstarrten, Fotos von uns ohne zu fragen machten oder das Haar meiner schwarzen Freunde im Vorbeigehen einfach so anfassten.

Wir haben unsere Tutoren und Lehrer kennengelernt, Hong Kong weiter erkundet und endlich, endlich mit unseren CAS angefangen - da gab’s schon wilde Auswahlmöglichkeiten! Ich bin mega froh, mich fĂŒr Lion Dance (traditioneller chinesischer Tanz) entschieden zu haben und mein Partner und ich wurden sogar fĂŒr ein paar externe AuffĂŒhrungen ausgewĂ€hlt und sollten einen Workshop in Central fĂŒr jĂŒdische Kinder leiten, aber wegen Corona wurde das leider abgesagt. - Wie schade!

Generell wurden viele der außerschulischen AktivitĂ€ten wie z.B. das 48h Race und unsere Projektwoche nach China wegen der Proteste abgesagt (und jetzt wegen Corona gibt’s gar keine AktivitĂ€ten mehr, auch keine Projektwoche :( ), und wir konnten viele der LPC Traditionen wegen der Ausgangssperre und den HK Protesten nicht mehr fortfĂŒhren. Aber eine Veranstaltung, bei der wir aushelfen durfte, ist das jĂ€hrliche ICM Banquet. Im Prinzip bieten dort ganz viele der reichsten Leute Hongkongs auf unterschiedliche KunstgegenstĂ€nde und die Einnahmen werden genutzt, um Krankenhaus- und Arztkosten fĂŒr schwerkranke Kinder von armen Eltern in SĂŒdostasien zu finanzieren. Wir hatten zuvor in einem Workshop gelernt, wie man die Menschen beim Bieten unterstĂŒtzt und die Überweisungen macht, aber es war trotzdem auf eine sehr schöne Art krass aufregend, einschĂŒchternd und einfach nur ĂŒberwĂ€ltigend, die Verantwortung und so große Persönlichkeiten zu treffen!


BezĂŒglich meiner Erwartungen kann ich sagen, dass ich mit mehr Engagement und Möglichkeiten im Bereich der Nachhaltigkeit und des Friedens, da Schwerpunkte des Leitbildes der UWC-Bewegung, sowohl von Seiten der SchĂŒler als auch der Schule gerechnet habe, und schockiert war, dass es keine vegane Option und nur eine schlechte, nicht-variantenreiche vegetarische Auswahl gab. [Update Term 2: Das Essen ist aber besser geworden seit wir nur noch 50 SchĂŒler auf dem Campus sind, wegen Corona, bei gleichem Budget ;D ]

Auch hatte ich einen grĂ¶ĂŸeren Kulturschock in Beziehung zu Hongkong erwartet, der kam gar nicht, aber dafĂŒr gab und gibt es immer noch fast tĂ€glich ganz subtile Momente in denen ich erst wieder richtig realisiere, aus was fĂŒr unterschiedlichen Kulturen und generellen HintergrĂŒnden wir eigentlich kommen, und wie krass uns das als Personen prĂ€gt!


Ich bin mit dem Vorsatz nach Hongkong und ans UWC gekommen, mich weiterhin fĂŒr nachhaltigkeits- und klimatechnische Probleme einzusetzen, die freitĂ€glichen Klimastreike fortzufĂŒhren und zu versuchen, anders zum Handeln aufzufordern oder vielleicht sogar zu inspirieren, aber irgendwie hat sich das als viel schwerer als zuhause in Berlin herausgestellt. Ich war zwar auf Fridays for Future und Extinction Rebellion Veranstaltungen und habe mich dort engagiert, aber es scheint nicht viel zu erreichen, da es einerseits in Hongkong kaum Bewusstsein/persönliche Relevanz zur Klimakrise gibt, noch ist es grad mit den Protesten und der Frage nach chinesischer AutoritĂ€t bzw. dem neuen Virus das grĂ¶ĂŸere Übel/Problem der Hongkonger.

Die Schule bietet keine vegane ErnĂ€hrung und Hongkong als Stadt auch nicht wirklich. Anfangs war es schwer damit klar zu kommen, dass hier so wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr Veganismus und Klimaengagement herrscht, aber es hat mich auch dazu gebracht, die Welt nicht schwarz-und-weiß zu sehen und zu erkennen, dass es nicht nur den Klimawandel sondern auch sehr akute humanistische, menschenrechtliche Konflikte auf der Welt gibt, die dem Aktivismus zum Klimaschutz im Weg stehen können bzw. seiner Wichtigkeit. Ich habe realisiert, dass es hier noch viel, sehr viel Engagement und PublizitĂ€t braucht um das Thema des Umweltschutzes in den Alltag zu bringen, selbst am College, innerhalb unsere kleine UWC Community. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was sich als erfolgreich in dieser Hinsicht erwiesen hĂ€tte, aber ich weiß, ich werde es weiterhin versuchen, auch falls es nur wenige aktiv beeinflussen sollte.


Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass mein erstes Halbjahr ne ziemliche Achterbahnfahrt war, mit viel Verzweiflung, Schlafmangel, fehlender Kommunikation zwischen Lehrern und SchĂŒlern, dem Druck, Freunde zu finden und dem Wunsch, akzeptiert zu werden, Einsamkeit, Angst wegen der Proteste/Corona, Überforderung, Wut darĂŒber, wie gut wir uns als Bewegung fĂŒhlen, aber wie wenig wir eigentlich machen und einfach auch generelle Schwierigkeiten, die mit einer neuen und einer so intensiven Umgebung wie UWC verbunden sind. Und irgendwann fĂŒhlt sich UWC einfach wie Alltag an. Aber meine Zeit war ebenso mit crazy Leuten, tĂ€glichen Diskussion ĂŒber „große“ Themen und unterschiedliche Werte, sĂŒĂŸen Nachrichtenzetteln aufm Schreibtisch, ganz vielen Emotionen; einfachen, echten, schier magischen Momenten, einem gemeinen Sinn nach Gerechtigkeit, nĂ€chtlichem Kochen, herzlichen (und vielen <3) Umarmungen, dem GefĂŒhl der UWC-Magie, einer 180°-Persönlichkeitsdrehung, echter Freude, der Erkenntnis, dass Zuhause besonders auch bestimmte Menschen bedeutet, und so vielem mehr gefĂŒllt und ich hatte trotz allen Schwierigkeiten eine schrecklich schöne Zeit und kann mir nicht vorstellen, welch ein Idiot diese Chance nicht sofort ergreifen wĂŒrde! :D


Ich freue mich auf die Zeit, in der mein 2. Bericht geschrieben werden wird - und alles was dazwischen passiert!


Dicke Umarmung an mein zukĂŒnftiges Ich (und mein NC) :D


#LotsOfLove / LOL

Masha đŸŒ»

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